Epochen Deutsch

1125-1156  Hänlder

Jolischlucht

Im 12. Jahrhundert gewinnt der Simplonpass als Warentransitachse zwischen den aufstrebenden norditalienischen Städten und den grossen Warenmessen in der Champagne im nordöstlichen Frankreich an Bedeutung. Deshalb bauen die Grafen von Savoyen und die Bischöfe von Sitten die Strasse durch das Rhonetal aus, um den Warenverkehr über den Simplonpass zu erleichtern. Stoffe, Pelzwaren, Leder, Gewürze, Waffen und Rüstungen passieren das Wallis in mehreren Etappen. Diese Etappenorte nennt man Susten. In Niedergesteln entsteht zu dieser Zeit ebenfalls eine Suste und die Bauern von Niedergesteln können sich als Säumer und Kleinhändler einen Zustupf verdienen. So trägt der Handel und Verkehr über den Simplon auch in Niedergesteln zum Unterhalt der bäuerlichen Familien bei. Mit der Suste, die einen bescheidenen Wohlstand ins Dorf bringt, gewinnt Niedergesteln nach und nach an politischer Bedeutung.

1157-1375  Leibeigenen

Rund 225 Jahre sind die bäuerlichen Familien von Niedergesteln Leibeigene der Freiherren von Turn. Als Leibeigene müssen sie für ihre Grundherren Frondienst leisten, die Pacht und den Zehnten bezahlen, dürfen nur mit Erlaubnis der Grundherren heiraten, den Hof nicht verlassen, unterliegen der Gerichtsbarkeit der Grundherren und die Leibeigenschaft wird vom Vater auf die Söhne vererbt. Freikaufen ist zwar möglich, da dafür aber eine enorm hohe Summe aufgewendet werden muss, ist ein Freikaufen kaum realistisch. Als Gegenleistung stehen die Leibeigenen unter dem Schutz der Freiherren von Turn.

Jolischlucht

1376-1790  Untertanen

Jolischlucht

Die fünf Oberen Zenden besetzen 1375 die Gestelnburg. Die Feudalherren von Turn werden vertrieben und Niedergesteln wird zusammen mit dem Lötschental, Steg, Hohtenn und Eischoll bis 1790 dem Zenden Raron als Untertanengebiet zugesprochen. Als Untertanengebiet können die Bewohner von Niedergesteln nicht an der Landesverwaltung teilhaben, können keine Landesämter besetzen und sie sind vom Landesnutzen, den Einkünften aus den Landvogteien und den Kriegspensionen, ausgeschlossen. Vom Nutzen kein Profit, doch an den Zendenlasten müssen sie sich zu einem Drittel beteiligen, zum Beispiel an den Kosten des Kriegsdienstes.

1791-1814  Republiker

1790 kauft sich Niedergesteln endgültig aus der Untertanschaft der Oberen Zenden los. 1798 der Franzoseneinfall, die wohl bewegendsten 15 Jahre in der Zeitgeschichte von Niedergesteln. Bis zur Kapitulation Napoleons 1813 sind die Bewohner und Bewohnerinnen von Niedergesteln nämlich Republiker der Helvetischen Republik (1798-1802), Republiker der unabhängigen Republik Wallis (1802-1810) und sogar waschechte Franzosen im Departement du Simplon (1810 – 1813). Und nach der Niederlage Frankreichs 1813 stehen sie auch noch unter der Verwaltung von Österreich und den alliierten Kräften (1813-1815).

Jolischlucht

1815-2025  Eidgenossen

Jolischlucht

Mit der Vereinigungsurkunde vom 4. August 1815 wird das Wallis als zwanzigster Kanton in die Eidgenossenschaft aufgenommen und der Kanton Wallis wird zugunsten der inneren Stabilität in 13 gleichberechtigte Zenden (heute Bezirke) eingeteilt. Somit sind die Bewohner und Bewohnerinnen von Niedergesteln fortan als Gemeinde des Zenden Raron (seit 1987 Bezirk Westlich Raron) Eidgenossen (heute Schweizer).

2026-Zukunft